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Städte- und Kreispartnerschaften
im Ruhrgebiet

Seit vielen Jahrzehnten gibt es Partnerschaften zwischen europäischen Städten und Städten in der ganzen Welt. Was zeichnet diese kommunalen Partnerschaften aus? Warum bilden sie sich? Wie sieht die aktuelle Situation in NRW und insbesondere dem Ruhrgebiet aus?

In der Metropole Ruhr gibt es eine lange Tradition von Städtepartnerschaften. Zahlreiche Ansprechpersonen in den Städten und Kreisen des Ruhrgebiets sind hier aktiv.

Die ältesten Partnerschaften bestehen seit 1949: zwischen Castrop-Rauxel und Wakefield, Essen und Sunderland sowie Gelsenkirchen und Newcastle upon Tyne (alle in Großbritannien; Stand der RVR-Recherche: Sommer 2014). Den drei Ruhrgebietskommunen ist mit ihren Partnerstädten gemeinsam, dass sie vergleichbare Wirtschafts- und Bevölkerungsstrukturen aufwiesen und überwiegend von Montanindustrie geprägt waren. Die Initiative ging jeweils von der britischen Militärregierung aus mit dem Ziel, der nachwachsenden Generation ein neues Bild vom ehemaligen Feindesland zu vermitteln.

Städte- und Kreispartnerschaften aus dem Ruhrgebiet (RVR/ Büro für Regionalanalyse, Juli 2013)

Die jüngste Partnerschaft kam 2015 zustande und zwar zwischen Essen und Changzhou (China). Im Vordergrund steht nach wie vor die Völkerverständigung. Hinzu kommen Wünsche nach stärkerer wirtschaftlicher sowie kultureller Zusammenarbeit.

Von den 53 Kommunen der Metropole Ruhr haben 51 Partnerstädte (Schermbeck und Hattingen haben keine). Von den vier Kreisen hat nur der Ennepe-Ruhr-Kreis keine Partnerregion.

Insgesamt hat das Ruhrgebiet 225 Partnerstädte. Setzt man die Zahl der Kommunen ins Verhältnis zur Zahl der Städtepartnerschaften, ist das Ruhrgebiet mit durchschnittlich 4,2 Partnerschaften pro Gemeinde DIE Städtepartnerschaftsregion in NRW (zum Vergleich: NRW hat einen Quotienten von 2,0 Partnerschaften pro Gemeinde).

Das Ruhrgebiet pflegt Partnerschaften mit Ländern in Europa, Asien und Amerika. Insgesamt sind es 26 verschiedene Länder.  

Von den 225 Partnerschaften bestehen 199 mit Ländern im geographischen Europa (inkl. Türkei, Russland und Kasachstan).  

Die meisten Partnerstädte haben Dortmund, Hamm und Schwerte mit jeweils 9; Dorsten hat 8 Partnerstädte.  

Die meisten Städtepartnerschaften bestehen zwischen Kommunen des Ruhrgebietes und Kommunen in Frankreich (44). Danach folgen Großbritannien (35), Deutschland (32) und Polen (25).

Seit dem Jahr 2000 sind insbesondere neue Städtepartnerschaften mit Kommunen in Polen (10), der Türkei (10) sowie Griechenland (1) entstanden. 

In der Metropole Ruhr konnten im Rahmen des TWINS-Projekts im Kulturhauptstadtjahr 2010 viele Kunst- und Kulturschaffende aus den Partnerstädten noch näher eingebunden werden. Dadurch wurden vorhandene Partnerschaften intensiviert und neuen Partnerschaften wurde der Weg geebnet. Über 1700 Akteure waren beteiligt und die 100 besten Projektideen wurden umgesetzt. Bereits beim ersten Kick-off-Treffen 2006 haben mehr als 100 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus den europäischen Partnerstädten der Metropole Ruhr spontan ihre verbindliche Unterstützung zugesagt.

Die Gesamtzahl der europäischen Partnerschaften wird vom Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE)  auf über 20.000 geschätzt. Die meisten kommunalen Partnerschaften haben deutsche und französische Städte.

Mit European Twinning - der Website für kommunale Partnerschaften in Europa - informiert der RGRE über Fakten, Ansprechpersonen sowie Finanzielles und unterstützt durch das europaweite Netzwerk bei der Suche nach neuen Partnern.

Im Koalitionsvertrag 2012 bis 2017 hat sich die rot-grüne Landesregierung dazu verpflichtet, das Netzwerk europapolitischer Akteure in NRW zu stärken und u.a. für Städtepartnerschaften ein systematisches Informationsangebot zu entwickeln.

Grundlage eines solchen Informationsangebotes ist u.a. eine qualitative Bestandsaufnahme der Städtepartnerschaften in NRW. Hierzu hat die Auslandsgesellschaft Deutschland im Auftrag der Staatskanzlei NRW 2009/2010 eine Studie mit dem Titel "Von Städtepartnerschaften zu kommunalen Netzwerken - Kommunale Vernetzung als Motor bürgerschaftlichen Engagements in einer europäischen Öffentlichkeit" verfasst. Sie beschreibt die Bedeutung von Städtepartnerschaften und gibt zahlreiche Empfehlungen.

Die Studie zeigt, dass von den über 5.100 in Deutschland existierenden Städtepartnerschaften in NRW knapp 800 gepflegt werden. Setzt man die Zahl der Kommunen in den jeweiligen Bundesländern ins Verhältnis zur Zahl der Städtepartnerschaften, ist NRW mit durchschnittlich 2,0 Partnerschaften pro Gemeinde an der Spitze der deutschen Bundesländer (zum Vergleich: An zweiter Stelle liegt Baden-Württemberg mit 0,82 Partnerschaften pro Kommune).

Die Difu-Umfrage "EU-Aktivitäten von Städten, Gemeinden und Kreisen in NRW" aus dem Jahr 2012 zeigt ebenfalls die Bedeutung von Städtepartnerschaften in NRW auf: Zu den am häufigsten genannten Aktivitäten mit EU-Bezug gehört die Organisation und Durchführung von Bürgerbegegnungen und die Einbindung von bürgerschaftlichem Engagement (u.a. durch Städtepartnerschaftsvereine). Als wichtige Zielstellung wird u.a. die "Verbesserung des kulturellen Austausches zwischen europäischen Kommunen" genannt.

Das Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen gibt mit der Website "Europaaktive Kommune in NRW" Anregungen für neue Ideen und Strategien für die eigene Arbeit in den Kommunen und präsentiert Informationen zur Auszeichnung "Europaaktive Kommune in NRW".

Als vorrangige Werte stehen Freundschaft, Zusammenarbeit, gegenseitige Wertschätzung und Achtung der Völker Europas im Vordergrund. Jean Bareth, Mitbegründer des Rates der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) nach dem Zweiten Weltkrieg, definierte Partnerschaften wie folgt: "Eine Städtepartnerschaft, das ist die Begegnung von zwei Gemeinden, die sich bereit erklären, gemeinsam mit einer europäischen Zielsetzung zu wirken, um ihre Probleme zu erörtern und immer engere Freundschaftsbande zu entwickeln." 

Städte- und Kreispartnerschaften

  • wurden in den Nachkriegsjahren der 1950er Jahre dazu genutzt, aktiv die
    Völkerverständigung und Versöhnung voranzutreiben,
  • benötigen zunächst aktive Initiierende (Bürgermeister/innen, Schulen,
    Einzelpersonen), um ins Leben gerufen zu werden,
  • bilden sich meist zwischen zwei oder auch drei Städten (sog. Dreieckspartnerschaften) verschiedener Länder oder auch innerhalb eines Landes,
  • ergeben sich aus den unterschiedlichsten Gründen: ähnliche historische
    Vergangenheit, Wirtschaftsgeschichte, geographische Lage oder auch
    einfach einen ähnlichen Namen,
  • zeichnen sich durch eine Vielzahl von Aktivitäten aus: Schüleraustausch,
    Arbeiteraustausch, gemeinsame Vorträge und (insbesondere Kultur-) Projekte,
    Jubiläumsfeiern etc.,
  • können sehr aktiv und vielschichtig verlaufen, sich im Einzelfall auch weniger
    intensiv entwickeln und
  • sind förmlich, sachlich, zeitlich nicht begrenzt und beruhen auf einem
    Partnerschaftsvertrag / einer Partnerschaftsurkunde.
Handreichung der Landesregierung, der Auslandsgesellschaft Deutschland e.V. und des Europazentrums NRW für alle Akteure, die in NRW internationale Städte- und Projektpartnerschaften gestalten
Bestandsaufnahme Städtepartnerschaften in NRW
EU-Aktivitäten von Städten, Gemeinden und Kreisen in NRW